Clara Luzia


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Während man hierzulande nach wie vor gerne die Schubladen öffnet und CLARA LUZIA mit dem Ablegen im „Indie“-Fach einer konkreten Zielgruppe zugehörig abstempelt, anerkennt man anderswo ihre Fähigkeit, Emotionen und Themen zu transportieren wie nur wenige andere: „Clara Luzia“, urteilte letztens die spex, „singt von bösen Menschen und verflossenen Liebhaberinnen, von Trennung und Verlust – mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.“ Was sie schreibt, sind „tolle Folksongs, wundervoll arrangiert und getextet, betörend schön gesungen.“ – meint Intro.

THE GROUND BELOW
Nunmehr setzt sie den Weg fort, auf den sie „Railroad Tracks“ (2006) geführt haben und die später in „The Long Memory“ (2007) einen ersten Höhepunkt erfahren haben (wofür sie gar mit einem „amadeus“ ausgezeichnet wurde). „The Ground Below“ geht vorbei an den gewohnten Wiegeliedern, die stark von der Stimme geprägt sind. Die Instrumente haben sich weiterentwickelt, sind stärker und lauter geworden. Cello, Posaune und elektrische Gitarren gesellen sich in die erste Reihe. In dieser musikalischen Verbundenheit klingt Claras sanfte Melancholie vertrauter und lebendiger als je zuvor, mit etwas mehr Leichtigkeit in den Songs durch eine spürbarere Pop-Ausrichtung.

Gerade das mag „The Ground Below“ auch ein kleines bisschen zum Wolf im Schafspelz machen – und: es „kriegt“ einen, auf der Platte und erst Recht auf der Bühne. Dort fühlt sich Clara Humpel sichtlich wohl – sei es als Solokünstlerin mit Gitarre oder mit starker Band samt Cello,  Klavier und treibendem Schlagzeug im Rücken. All das hat einen Ruf erzeugt, der sie weit über die Landesgrenzen hinaus bis hin zum europäischen Vorzeige-Showcasefestival „Eurosonic“ getragen hat.

DER WEG
Begonnen hat alles vor Urzeiten in der Vorgängerband Alalie Lilt, in der sich unter der Flagge „Singer/Songwriter im Bandformat“ von 1999 an langsam aber stetig Besonderes entwickelte. Erste größere Aufmerksamkeit entstand durch das finale Album dieses Projektes mit dem im Nachhinein fast schon programmatisch wirkenden Titel „What´s Gone Doesn´t Necessarily Disappear“. Alalie Lilt verschwand, mit neuem Personal entstand rund um die Zentralfigur das nach ihr benannte Projekt Clara Luzia (2005).

In dieser Zeit zusehends aus dem sympathischen, aber klischeebehafteten Singer-/Songwriter-Eck ausbrechend, folgten Freundschaften und Tourneen mit der britischen Sängerin Emma McGlynn – sie ist als Gast auch auf dem aktuellen Album („Faces“) zu hören. In Alexander Nefzger fand Clara ihr kongeniales Gegenstück. Nach der gemeinsamen Arbeit an den Vorgängerwerken war der Produzent und Arrangeur auch am aktuellen Album maßgeblich beteiligt.

KÜNSTLERISCHER PARALLELSCHWUNG
Wie es sich mit Clara Luzias Musik seit dem Debüt „Railroad Tracks“ verhalten hat, so tut es dies auch im Artwork: Zierte den Erstling noch eine etwas schüchterne Bleistiftzeichnung des türkischen Illustratoren Sadi Güran, so hat die darauf zu sehende Figur für „The Long Memory“ (2007) Farbe bekommen. Auf „The Ground Below“ erhält sie eine zusätzliche Dimension, verschmelzen Gürans Zeichnung mit den Bildern der Schweizer Künstlerin Sarah Haas. Sie hat das zum Album gehörende Booklet mittels viel Kleinarbeit in eine Stadt verwandelt und symbolisiert damit die Charakteristik des Gesamtwerks: „Urbaner, elektrischer“, wie Clara selbst sagt; mit sprichwörtlichen Textbausteinen, die die Häuser der Stadt bilden.

UNGEWÖHNLICH NORMAL

Clara Humpel steht – anders als die Figur auf dem Plattencover – nach wie vor mit beiden Beinen fest auf „The Ground Below“. Vielleicht dank offen zur Schau getragener, wenngleich ungewöhnlich erscheinender Leidenschaften, die dann durchaus ihren Niederschlag in Songs finden können. Vielleicht dank ihrer Unabhängigkeit und Selbständigkeit, die sie mit dem (überaus erfolgreichen) Betreiben des eigenen Labels Asinella Records beweist. Ein Unterfangen, das mit Veröffentlichungen wie jener von Marilies Jagsch („Obituary For A Lost Mind“) oder zuletzt Luise Pop („The Car The Ship The Train“) ein weithin sicht- und hörbares (oftmals weibliches) Rufzeichen in die hiesige Poplandschaft setzt.
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CLARA LUZIA auf der Bühne sind:
Clara Humpel (Texte, Songs; git/voc)
Max Hauer (klavier, git, ukulele, bass)
Heidi Dokalik (cello, melodika)
Ines Perschy (dr)