Hagedorn


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Hagedorn. So nennt sich Wolfgang Hagedorn, wenn er nicht im Computerjockeys- Kontext produziert. Und dann klingt seine Musik auch anders. Ordnen wir einfach mal den Soundraum.

Das Kölner Duo Computerjockeys, entstanden irgendwo im Party-Nirvana zwischen Battery Park und Liquid Sky, hat uns u.a. dieses großartige "Ping Pong" Stück beschert. Und zwei ganze Alben. Nebenher hat Hagedorn aber schon immer mit anderen Sounds experimentiert. Wer eine Vergangenheit im Noiserock aufweisen kann - wir wollen hier keine Namen mehr nennen: Geschichte muss Geschichte bleiben -, den dürstet es nun mal nach mehr. In seinem Fall heißt mehr dann weniger. Oder anders ausgedrückt: Es geht um die klassische gerade Bassdrum.

Die musikalische Sozialisation Wolfgang Hagedorns, die über Eastcoast-HipHop bei Jeff Mills ankam, führte zur Kombination von Kopf und Bauch, integriert abstrakte Funktionalität und erdige Aufforderung zur Bewegung. Trotz weitschweifigen Sample-Rundreisen bleiben die Stücke erstaunlich homogen, verharren in einer gewollten Soundidee. Diese Musik bietet die Synthese aus distanziertem Listening und ravender Bejahung an. Das kann man beispielsweise nachhörn auf seinem Solodebüt "Miss Construction", das vor zwei Jahren auf onitor erschien.

“home grown” ist etwas weniger cluborientiert als der Vorgänger ausgefallen– was u.a. daran liegt, dass Hagedorn die letzten Jahre Babypause gemacht hat. Muss auch mal sein. Das heißt aber nicht, dass das Album nur zum home listening taugt, denn noch immer finden sich einige clubkompatible Tracks, wie beispielsweise “Funk Infection”, der Opener der 12-inch., der auch auf einer von Thomas Brinkmanns Soulcenter Platten sein könnte. Abwechslungs bestimmt das Album. Das Spektrum der Sound ist diesmal deutlich breiter angelegt. Der Künstler selbst spricht davon, dass man aus jedem Track des Album ein Konzeptalbum hätte entwickeln können. Welch ambitionierte Worte. Und noch nichtmal gelogen. (© onitor)