Jens Friebe


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Jens schreibt auf myspace über sich selbst:

Liebe Interessierte Irgendwie weiß ich diesmal nicht, wo ich anfangen soll, habe ich doch so viel erlebt im letzten Jahr. Zum Beispiel war ich mit Bands wie Knarf Rellöm, den Sternen und „Wir sind Helden“ unterwegs. Bevor ihr mich mit Fragen bestürmt: Ja, alle Geschichten, die man sich von diesen Tourneen erzählt, stimmen - auch die mit der künstlichen Befruchtung , dem tiefgefrorenen Schlafanzug und den drei sedierten Welpen. Aber ich denke, diesen Klatsch wollt ihr bestimmt nicht noch zum zehnten mal hören. Ich schätze euch eher als so Typen ein, die sehr ausführlich über die Begleitumstände der Produktionmeiner neuen Platte „In Hypnose“ informiert werden wollen, samt aller ermüdenden technischen Muckerdetails. Also: Für die Gesangsaufnahmen benutzten wir ein aktives SP 73 aus der Gründerzeit, und während ich sang, setzte sich einmal eine besprenkelte Ente auf den Blumentopf vorm Studiofenster, was Herman Halb, vielen auch bekannt als Herman Halb, vielen auch bekannt als Herman Herrmann, wohl bemerkte, aber bis zum Mittagessen für sich behielt. Kontakt hergestellt hatte ich zu diesem bemerkenswerten Mann bei einem Konzert in der „Maria“, aufgepeitscht durch eine kurz vorher aus dem Netz gerüsselte und, zumindest für mich, brandneue Info. „DU hast damals die Unten von der Regierung produziert? Das ist echt das am meisten unterschätzte deutschsprachige Album überhaupt!“ sagte ich. – „Ja, vor allem von mir“, sagte Halb, auf seine halb trockenen halb schamanischen Art. Man darf das nicht als Kritik an Rosmys Songwriting verstehen, sondern als Ausdruck einer gnadenlosen Strenge gegen sich selbst und die eigene Arbeit, einer Strenge, die ich später noch oft bestaunen sollte. Denn in den folgenden Wochen half Halb mir, meine neuen Lieder zu arrangieren, und bald war eine Cassette (MC) mit visionären Skizzen hergestellt (incl. 1 Regierung-Cover). Zeit, den Produzenten aus Hamburg zu Empfangen! Tobias Levin stieg sonnengebräunt (oder hatte er nur schon ein paar Flaschen Mörensaft intus?) aus der Maschine (einer Art Zug), Tatendrang im Blick. Von den Demos war er angetan, hatte aber gleich auch das Große Ganze im Blick: „Ein Dance-Track ist zu wenig, Herrschaften! Clubsounds marsch!“, riet er und stieg wieder in seine Maschine nach Hamburg. Ich hingegen musste mit einem Zettel, auf dem „Daso Franke, Elektromusiker“ und eine Adresse stand, nach Köln reisen. Ein Bub, er mag in seinen späten Zehnern oder frühen Zwanzigern gewesen sein, öffnete mir eine Luke in Mühlheim. Es war immer schwer zu erraten, was in ihm vorging, da eine dicke beschlagene Brille seine Seele verdeckte, aber eines kann ich euch sagen: Diese jungen Leute bedienen ihre Maschinen nicht – sie sind ihre Maschinen. zwischen Klangwunsch und Klang lag für dieses posthumane Fabelwesen nie mehr als ein müder Mausklick. Nur als ich ihn bat, aus meiner antiken Groovebox einzelne Spuren in seinen Rechner zu transportieren, verdüsterte sich seine. MIDI ist für einen modernen Musiker in etwa so was wie Meißel und Steintafel für einen modernen Journalisten. Nach 12 Stunden Midi schlug Daso eine Straßenlaterne kaputt und verletzte sich schwer. zum Glück war dank seines jungen, wie besessen neues Gewebe produzierenden Körpers, am nächsten tag alles wieder gut. Genau wie bei mir. Ich hatte soweit alle Zutaten am Start. Jetzt mussten nur noch die ganzen echten Instrumente der verschiedensten Musiker (von denen ich hier wegen des wenigen Raums nur den wildesten und schicksten Schlagzeuger Berlins, ach was, ganz Berlin-Brandenburgs, Chris Imler erwähnen will) und alle Gesänge bei Tobias im Hamburger Electric Avenue-Studio aufgenommen werden, dann musste man die programmierten Spuren von diversen Datenträgern auf einen bekommen, die höchst disparaten Klangästhetiken miteinander vereinen, na ja, und ein paar andere Sachen. Komisch eigentlich, dass es trotzdem noch zwei zerrüttende Monate dauerte, bis alles fertig war. Zum Mischen kam am Schluss noch Olaf Opal und baute eine Wand aus Effektgeräten zwischen das Aufnahmepult und den Sessel, von dem aus ich bis dahin meine Ratschläge zu krächzen gepflegt hatte, sodass ich nicht mehr mitbekam, was passierte. Es musste aber einiges passiert sein, denn ein par Tage später wurde alles wieder abgebaut, und die Lieder klangen anders, nämlich irgendwie schön. Danke für eure Aufmerksamkeit und bis zum nächsten Mal. Euer Jens